Sommerzeit
Die langen Sommerferien führen in vielen Dojos zu reduzierten Trainings oder Pausen. Das bedeutet jedoch nicht: Trainingsstillstand. Die Zeit ist eine willkommene Gelegenheit, das Training selbst bestimmt zu vertiefen oder etwas Neues auszuprobieren. Doch der Reihe nach:
Trainingsschwerpunkte
Intuitiv wissen die Meisten von uns, wo Defizite bestehen (oder wir bekommen es von den Trainerinnen gesagt). Nach der absolvierten Trainer-Ausbildung gehe ich etwas bewusster an meine Trainingsplanung. Somit für die Sommerferienzeit:
- Rumpfstabilität
- Belastung auf dem ganzen hinteren Fuss, inklusive Aussenkante und Druck nach vorne generieren (Kihon). Ausrichtung dieses Fusses möglichst in Laufrichtung.
Was folgt, ist eine persönliche Sichtweise. Eure Favoriten mögen anders aussehen. Dann kombiniert Ihr vielleicht das, was Ihr weniger mögt, mit Euren Vorlieben.
Plan B ausführen ist mehr als Plan A liegen zu lassen
Für Rumpfkraft gibt es viele Übungen, siehe hier. Das ist der Plan A. Ich mag die Übungen nicht besonders. Nichts tun ist jedoch keine Option. Wenn eine Übung nach Karate schmeckt, kann man mir fast alles verkaufen. So half mir ein Training, in dem Rumpfkraft mit Karate kombiniert wurde als Denkanstoss.
Die Kernidee war, in der Hälfte einer Technik auf einem Bein zu stehen und dann die Technik, die angedacht war, auszuführen. Also Age-Uke auf einem Bein. Linker Arm, Rechter Arm. Mit Hüfteinsatz. Und schon wird die Stabilität trainiert. Geht auch für viele Techniken wunderbar in Kiba-Dachi, für Mae-Geri ist diese Art von Übung ein Selbstläufer. Bei Kokutsu Dachi wird es etwas knifflig. Euch wird etwas einfallen, das Prüfungsprogramm bietet Starthilfe.
Gesteigert wird der Trainingseffekt, wenn versucht wird, auf gleicher Höhe zu bleiben. Und wer es auf die Spitze treiben will: Macht die Übung auf einem herausfordernden Untergrund.
Druck auf dem ganzen hinteren Fuss lässt sich «einfach» trainieren. Man muss «einfach» immer daran denken. Dehnen hilft sicher weiter und kann bei Bedarf mit langsamen Karate-Techniken verbunden werden…
Alternatives Training
Da gibt es viele Möglichkeiten. In meinem Fall Velo fahren. Gutes Konditionstraining ohne die Knie zu strapazieren. Eigentlich egal, was. Es muss einfach Freude machen. Ein gute Überleitung zum Abschluss dieses Beitrages.


Was ganz anderes tun
Genau. In meinem Fall habe ich einen Chat programmiert, der mit Dokumenten schwatzen kann. In der Fachsprache der Künstlichen Intelligenz (KI) heisst das Request Augmented Generation, RAG. Das ist ganz praktisch: Ihr stellt die Dokumente zu einem Gebiet zusammen und lädt diese in den Chat. Danach könnt Ihr schlaue Fragen stellen und erhaltet (meist) schlaue Antworten. Und das ganze läuft bei Euch zu Hause. Kein Anbieter, der mitliest.
Mir ging es darum, mit «Large Language Models», also Künstlicher Intelligenz zu experimentieren und eine Labor-Umgebung für Chat und Dokumenten-Klassifikation aufzubauen. Die Lernkurve ist manchmal etwas steil. Das Wissen, zu wissen, wie es funktioniert ist ein grosser Anreiz. Es ist wie im Karate: Man taucht tiefer und tiefer in die Materie ein. Immer neue Fragen wollen beantwortet werden. Z.B. wie stellt man das «Gedächtnis» her, damit die Antworten aus den vorhergehenden Frage/Antwortrunden in den neuen Antworten mitberücksichtigt werden. Oder wie konvertiert man Bilder und Office Dokumente zu Text, der dann in den Chat gefüttert werden kann.
Ein zweites Tool klassifiziert Dokumente bzw. beantwortet Fragen genereller Art. Z.B. ist ein Dokument aus Sicht Datenschutz «sensitiv» oder eine Zusammenfassung des Inhalts in zwei Sätzen. Das Tool übernimmt auch die Aufgabe, die gewünschten Dokumente für den Chat bereitzustellen.
Beide Tools funktionieren recht gut. Limitierender Faktor ist primär die verfügbare Rechenleistung. Der notwendige Speicher und der zusätzliche Prozessor für KI ist nicht gratis. Zum Glück gibt es einen grossen Gebrauchtmarkt, in dem man sich zu vernünftigen Preisen eindecken kann.
Wiederum eine persönliche Einschätzung: Die Möglichkeit, mit selbst bereitgestellten Dokumenten zu schwatzen wird die Art und Weise, wie wir uns in Fachgebiete einarbeiten bzw. Schlüsse aus vorliegenden Informationen ziehen, grundlegend verändern. In der Forschung und im Büro.
Hier ein Beispiel, in dem rund 30 verschiedenartige kleine und sehr grosse Dokumente in den Chat geladen wurden. Darunter eins der “British Hedgehog Preservation Society”, aus dem die Antworten, wo Igel leben und was Igel essen, vom Large Language Model entnommen wurde.

Das war es aus der Sommerpause. Ich freue mich auf das Wiedersehen in Bern am Gasshuku. Harte Trainings, gemütliches Zusammensein und Diskussionen über viele Dinge.

